Musikfestival in der Eifel

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Am Samstag Nachmittag sollte ich als Clown das zum 17. Mal stattfindende Musikfestival eines Freundes in der Eifel verschönern. Seit Anbeginn war ich als Zuschauer dabei gewesen, nun sollte es also das erste Mal als Clown sein – nun denn! Ich hatte einigen Bammel, weil mich keiner als Clown kannte, sondern nur als „Otto Normalbürger“, aber trotz einer gelinden Nervosität liess ich mir davon die Vorfreude nicht verderben. 🙂

Als ich – am sehr späten Nachmittag – eintrudelte, wurde mir direkt das Programm des Festivals unter die Nase gehalten, nein gerieben: Dort stand in grossen Lettern Hauptbühne 16:00-17:00 Clown Bruno. Ein leicht vorwurfsvolles „Du kommst aber reichlich spät“ garnierte die Übergabe des Programms (das mir selbstverständlich vollkommen unbekannt war). Gesagt, getan – nachdem ich deutlich gemacht hatte, dass ich nicht gedächte, früher als in 15 Minuten aufzutreten und zwar nicht auf einer Bühne sondern als Walk-Act, bekam ich für Umziehen und Schminken ein Teilnehmerzimmer im ersten Stock der Veranstaltungslocation zugewiesen, direkt über dem angeschlossenen Restaurant.

Beim Schminken fiel mir auf, dass ich meine Fliege vergessen hatte, kurzerhand bemalte ich zwei Streifen Leukoplast mit einem roten Edding und klebte sie mir wie eine selbstgebundene Fliege oben auf das Hemd. Und dann ging es auch schon los – mit dem kleinen Koffer in der Hand spähte ich im Restaurant um die Ecke und hatte direkt einige kleine und grosse Zuschauer, darunter einen guten Freund. Ich packte die Seifenblasen aus und dann ging es vor die Türe, wo ich Jamia und meinen Freund eine rote Nase verpasste und zu Hilfsclowns ernannte. Jamia wurde dann von mir zur Seifenblasenkönigin ernannt, weil sie super Seifenblasen machete und mir auch zeigte, wie es ging. Danach musste ich auf eine wackelige Leiter steigen, weil meine Freund ja wollte, dass ich die Blasen „höher“ blase. Und er stieg auf die Ecke einer Bierzeltbank, aber sie kippte nicht um …

Der mittlerweile auf zehn angeschwollene Kinderschwarm zog dann hinter mir her auf die Festwiese, wo sich hunderte Festivalbesucher und zig Kinder aller Altersstufen um die Essens- und Souvenirbuden drängelten. Zwischendurch ergaben sich immer wieder Gelegenheiten für kurze Spiele. Ein Mann, der mir den Vortritt lassen wollte und ich ihm bis wir zusammen durch die Türe gingen, eine junge Frau, die ich anspielte, einen ehrenwerten Weissbart, hinter dem ich mich ungeniert versteckte, eine versuchte „Flucht“ ins Damenklo und viele andere Aktionen.

Inmitten der Kinderschar, die sich minütlich vergrößerte, ergaben sich dann schöne Spiele und Kontakte, wobei sich einmal mehr zeigte, dass die Altersgrenze von einem Jahr selten unterschritten werden kann. Am nettesten und spielbereitesten sind die Kinder von 4-8 Jahren, darunter stehen sie oft nur still da und schauen, darüber werden sie schnell übermütig (s.u.).

So langsam wurden die Kinder aufdringlich. Es fing – wie immer – damit an, dass ein Mädchen frech an meiner Nase zog und rief: „Du bist ja gar kein echter Clown!“. Dann kam ein Junge dazu, der an meiner Hose zog und schliesslich bedrängten mich mehrere, so dass ich mich begann nach Hilfe umzuschauen. Eine Mutter schüttelte den Kopf als ich sie fragte, ob sie Authorität hätte, um die Rasselbande zu bändigen. Dann setzte ich mich neben eine andere Frau und fragte sie das gleiche, was mir zwar eine kurze Verschnaupause einbrachte aber ansonsten auch nur ein Kopfschütteln. Meine letzte Rettung war der Obermusiker, stets ein ruhiger Pol in der Brandung, von unumstösslicher Authorität, aber auch dieser reagierte abweisend auf meine zunehmend verzweifelter werdenene Hilfsapelle.

So kam es zur – überstürzten – Flucht, in Folge der meine Hosenträger – mal wieder! – abgingen, die Hose auf Halbmast hing (oder war das der Flucht vorausgegangen?) und ich mit halb auf den Knien hängender Hose (ein wie immer beliebtes Spiel) effektvoll die Treppe hinauf flüchten konnte, durch den Flur, durchs Restaurant, die Treppe zum Zimmer hinauf. Einen Rattenschwanz von Kindern hinter mir her ziehend, die mich johlend wie auf einer Perlenkette aufgereiht verfolgten, so dass ich mich nicht traute umzudrehen, auch um meinen Vorsprung nicht zu verlieren. An der Treppe zögerten die Verfolger, da man dort seine Schuhe ausziehen musste, was mir den nötigen Vorsprung verschaffte, um den Zimmerschlüssel aus dem Sicherungskasten zu holen, mit zittrigen Händen das Schloss zu finden (was eine gefühlte Ewigkeit dauerte), den Schlüssel umzudrehen und die Türe genau so schnell zu öffnen wie hinter mir wieder zu verschliessen. Keine Sekunde zu spät! Die Kinder rannten den Zimmerflur entlang, tuschelten untereinander und berieten, wo der Clown wohl wäre, klopften an jede Türe und prüften, ob eine offen war. Sie riefen nach mir. Ich aber hielt gebannt den Atem an und betete, dass sie mich nicht entdeckten! Als ich abgeschminkt war, traute ich mich mit betont normalem Gesicht wieder in das Restaurant und mischte mich unter die Menge und wunderte mich, dass mich keiner von den Kindern erkannte und mit lauten Clown-, Clown-Rufen auf mich los schoss.

Fotonachweis: Claudia Latifa

2 Gedanken zu „Musikfestival in der Eifel

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