Musikfestival in der Eifel, die Zweite


Hin und wieder nehme ich mir die Muße, in die Augen der Kinder zu schauen, die vor mir stehen, die mich umringt haben und bin einfach nur glücklich.

Am Samstag verschönerte Clown Bruno das zum 19. Mal stattfindende Festival der Sufi-Weltmusik in der Eifel bereits zum zweiten Mal.

Nach den (fast schon routiniert) üblichen Spielen „Luftballons platzen“, „Luftpumpe kaputt“, „Bruno wurden die Schuhe geklaut“, „Konfetti für alle“, „Wie komme ich in den Sandkasten?“, „Wie benutze ich die Rutsche?“ und „Balancieren für Anfänger“ möchte ich gerne auch so schöne Hennahände haben wie die Kinder, doch nach einigem Suchen stellen wir fest, dass die Hennafrau mitten im Publikum sitzt (und da will ich jetzt auch nicht stören, vielleicht das nächste Mal 😉 ), also behelfen wir uns selbst und die Kinder dürfen meinen rechten Arm mit der Schminke(!) anmalen, aber nur bis zum schwarzen Strich!! Hält sich natürlich keiner dran, die arbeiten so emsig und engagiert (und mit zunehmender Dauer immer energischer :-/ ), dass es drunter und drüber geht. Wird ein richtiges Kunstwerk. Der arme Clown, es braucht 1/2 Stunde und viel Spüli und Feuchttücher, das wieder abzukriegen!

5-Jahre Kita Berghasen

Die Kita Berghasen aus Gremmendorf, meiner alten Heimat, hatte mich zum 5-jährigen Jubiläum engagiert. Ziemlich genau um 14:40 Uhr bin ich dann an der Kita und Clown Bruno, gar nicht faul, hat sich sofort in das Bällebad gestürzt.

Um 15:00 Uhr bin ich fertig umgezogen und bereit für meinen Auftritt. Ich bin schon etwas aufgeregt. Zwei größere Schulmädchen sind zum Kinderschminken gekommen und haben versprochen auch mich zu beschminken, so dass ich nur mit zwei roten Herzen und einer Nase herausgehe, aber schon definitiv als Clown. Ich bin angespannt, aber nicht vor Aufregung, sondern eher ob alles funktionieren wird, und ob ich ankommen werde. Ich komme in den Innenhof und alle Augen richten sich auf mich – ich spüre bei den Kindern eine große Scheu und setze mich erst mal auf die Treppe, ohne auf ein Kind zuzugehen. Mit der Zeit stehen sie dann aber alle um mich herum – es sind meist Schulkinder, ich nehme mal an die Geschwister der Kitakinder und nicht die Kitakinder selber, weil die sind erst drei Jahre alt. Von den Kitakindern ist anscheinend nur Ida da, ein selbstbewusstes dreijähriges Mädchen.

Dann ist ziemlich schnell das Spiel angesagt: Luftballons aufzublasen und aufs Dach zu schießen. Die Kinder haben ein Heidenspaß dabei, doch irgendwie klappt es nicht. Einmal schießt ein Luftballon mit einer solchen Power quer über den Innenhof, dass eine junge Mutter erschreckt zusammenzuckt. Ich renne sofort hin und entschuldige mich – bemerke dabei ihren schönen pinken Rucksack und leih ihn mir kurzerhand aus und ziehe ihn über. Ich liebe Rucksäcke!


Bericht in der WN am 21.7. über das Fest

Mittlerweile hat sich eine ganze Truppe von Kinder angesammelt, die unbedingt einen Ballon aufs Dach schließen möchten. Charlotte, eine vorwitzige Elfjährige, schafft es schließlich. Jetzt haben wir das Problem, den Luftballon wieder vom Dach runter zu holen! Einige Jungs kennen sich aber gut im Haus aus, und wir gehen dann nach oben in den 2. Stock. Klingeln bang an der Türe. Wer da wohl wohnt? Wohlige Schauer durchrieseln uns! Wir haben total Spaß daran, Klingelmännchen zu machen und wegzurennen, uns mit diebischer Freude zu verstecken. Wir versuchen in die Dachkammer zu kommen, aber dort lässt sich die Tür nicht bewegen, dann versucht es Charlotte mit einem Schrubber, den Griff runter zu ziehen usw. und so sind wir eine ganze Zeit lang mit diesem Spiel beschäftigt. Irgendwann ist es ausgespielt und ich frage dann einen von den Vier- / Fünfjährigen was er denn gerne machen möchte oder was er denn gerne wollte das der Clown machen möchte. Und er entgegnet mir ganz entrüstet: „Natürlich Quatsch: Clowns sind dafür da um Quatsch zu machen!“ Ja, klar! Mir fällt es wie Schuppen von den Augen! Ich habe die ganze Zeit meinen Weissclown dabei gehabt, der alles auf seine Gefahrlosig- und Vernünftigkeit abgeklopft und mir das Leben dadurch etwas säuerlich gemacht hat. Doch jetzt haben ich eine klare Ansage!

Das Spiel schwingt die ganze Zeit über den ganzen Hof, wir bespielen den ganzen Platz und sind wie ein eingespieltes Team, eine Clique. Ich mag die Kinder und Uhrzeigersinn auch, besonders Linus. Dann spielen wir noch Verstecken – ist das wirklich meine Idee? Jeder darf sich zweimal verstecken, die Kinder fangen an. Ich klettere beim ersten Mal natürlich in die blaue Papiertonne (gelernt ist gelernt 😉 ) und strampele mit den Beinen, die natürlich oben rausgucken. Die Kinder sind geschockt, entsetzt und begeistert: Bist du wirklich in die Mülltonne geklettert?

Was war noch?

  • Bobbycarrennen. Der Clown möchte ein Bobbycar-Rennen machen, und es wird ein wunderbarer Erfolg. Er ist nicht der Schnellste mit dem Bobbycar (das gottseidank nicht unter ihm zusammenbricht), und trotzdem behauptet er immer der Erste zu sein, was natürlich zu wütenden Protesten führt :-)))
  • Nina möchte unbedingt selber mal einen Luftballonverknoten. Sie steht sowas von geduldig neben mir und schaut sich alles genau an und fragt mich und macht und tut, dass ich ihr das nicht verwehren möchte, und zum Schluss hat sie ein ganz kreativen gelben Luftballon geknotet und Kaktus-like mit schwarzen Nadeln bemalt!
  • Der Junge der vor mir steht und mit einer etwas trotzigen aber bestimmt Stimme immer wieder sagt ich möchte eine Mondrakete!!!
  • Doch zuerst müssen all die Papageien und Hunde geknotet werden…

Ein Clownding kommt noch: Ich fahr nach Hause und merke jetzt erst, wie erschöpft und dehydriert ich eigentlich bin. Ach wie schön wäre es doch jetzt in die Coburg zu fahren und schwimmen zu gehen – plötzlich fällt mir auf, dass mein Weg ja über den Kanal führt. Welche Freude! Gesagt – getan, ich stelle mein Fahrrad ab und springe mit der Fahrradhose in den Kanal (weil ich ja keine Badehose dabei habe). Ist das eine herrliche Abkühlung! Ich trockne mich mit einem Geschirrhandtuch ab und ziehe dann – notgedrungen – die Clownshose an und bestreite dann so den ganzen weiteren Heimweg. Fehlt nur noch die Nase… Zwischendurch hole ich mir noch ein Eis am Aegidi-Kiosk und eins am Jungeblod-Platz – ich bin sowas von ausgetrocknet!

Sommerfest im Klarastift

Nach dutzenden privaten Besuchen war ich heute das erste Mal als Clown beim Sommerfest im Münsteraner Klarastift. Kollege Clown Konrad hatte mich beim letzten Sommerfest eingeladen, und das liess ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Ich wählte diesmal die weissen Schwiegermuttersocken (die Ringelsocken waren verschwunden), Badelatschen statt Clownsschuhe und als krönender Abschluß eine knielange Sommerhose, was Clown Bruno eine zusätzlich witzige Note verlieh (und bei dem schwül-warmen Wetter auch angemessen war).

Trotz des entspannten Miteinanders mit Schwiegermama blieb viel Zeit für schöne Kontakte, Aufbau von Beziehungen
– Seifenblasen und ein Herzballon für Amanda, die Tochter der Südamerikanerin.
– Fussball spielen mit einem Luftballon mit einen kleinen, kranken 2-Jährigen, ernst, konzentriert, minutenlang, ohne viel zu wollen.
– Seifenblasen werden aus Clownsspucke gemacht … ihhh … und Krötenglibber … uhhh
– Rollstuhlrennen
– Herzbonbons verschenken
– Kagoo spielen, trött, trött, Platz da, ich muss zum Klo!
– der Versuch Apfelschorle zu bestellen beim Seniorenausschank :-/
– den Wollsockenverkauf ankurbeln, haben aber auch keine rot-weissen
– viel mit den weißen Handschuhen gewunken, gezeigt, dirigiert
– schön mit im Chor gesungen, den Text mimisch dargestellt
– mit einer Mitsängerin untergehakt, auf einmal kommt ihr Rollator ins Rollen, kippt nach hinten in den Graben …
– bekomme ein rot-weißes Absperrband um den Hals gewickelt und spiele Pfosten
nicht mit den Jungens geturnt
– mit der Musik getanzt, Hände schwingen gelassen
– und immer wieder sehe ich kleine Kinder, Mädchen, die mich verstohlen beobachten, aus den Augenwinkeln mustern. Einige grinsen, schmunzeln mir zu.


Sommerfestveteran Konrad beim Ballonbemalen; Jung und Alt hatten ihren Spass

Ein Clown in der Bibliothek, die Dritte

Nach einer längeren Pause (wieso eigentlich?) wurde auch dieses Jahr die Medizinbibliothek von einem Clown besucht. Der Leiter der Bibliothek ließ es sich nicht nehmen, die Nutzer persönlich zu begrüßen. Dann ging es schnurstracks in das Bistro, aus dem es verheißungsvoll nach Berlinern duftete. Danach ging es – leise, leise – durch alle Räume der Bibliothek, um sich auch bei den übrigen Benutzern zu bedanken und sie an der Freude (und den Berlinern) teilhaben zu lassen.

Mein erstes Clowns-Seminar, das ich selber gegeben habe

Mein erstes „eigenes“ Clowns-Seminar, das ich selber leite, wird in 90 Minuten starten. Ich war schon seit Monaten ziemlich aufgeregt gewesen, nun herrscht allerdings organisatorische Betriebssamkeit vor, es gibt noch einiges zu regeln. Es läuft alles ganz gut, der Raum ist schon nett hergerichtet, die letzten Matrazen werden schnell weggeräumt, es gibt sogar Stühle und einen Schlüssel zum Abschliessen, damit uns keiner stört. Doch jetzt verzögert sich das Ende der vorherigen Veranstaltungsblocks, so dass ich kurzerhand die Anfangszeit auf 13:15 verschiebe, dann wird es aber doch 13:30.

Feli aus Kamp-Lintfort ist die erste Teilnehmerin, dann trudelt Alfi, ein in klassischer indischer Musik ausgebildeter Niederländer aus Amsterdam, und schliesslich komplettieren mit Ali, Ahi und Dai drei Jungs aus der Nachbarschaft die Runde – zwei Brüder und ein Freund, 15 bis 17 Jahre alt. Ich freue mich, dass sie mitmachen, sonst wären es doch arg wenig gewesen. So sind wir zumindest zu sechst und können bei den Übungen zwei Dreiergruppen bilden, und auch bei den Duos kommt es gut aus.

Nach der Einführungsrunde im Sitzen stellen wir uns im Stehen (Bodenkontakt, Atmung, Hände reiben, Augen öffnen, Humor injizieren …) mit einer Bewegung vor, die alle nachmachen müssen. Dann folgen einige Körperübungen um an- und ins Spiel zu kommen. Klatschen im Kreis, mit Richtungswechsel. Gehen, immer schneller, dann wieder langsamer und schliesslich in Zeitlupe. Dann die Gemüseübung und zwei Ballon mit vollem Körpereinsatz in der Luft halten. Das macht Spaß und kommt gut an!

Da jetzt alle so aktiv und wach sind, ziehe ich nun die beiden Technikübungen ABC (einer muß sitzen – einer stehen – einer liegen) und 123 (Andocken, Einfrieren, Spüren, Abdocken, Gucken, wieder neu Andocken) vor. ABC ist gut für das Spüren von Impulsen und aufeinander zu achten. 123 ist gut für das Gruppengefühl und das Einschwingen in das Gruppenfeld. Immer wieder entstehen witzige Gebilde und es wird viel gelacht, das kommt sehr gut an – ich bin in dieser Phase (aber auch später) mehr Spieler als Leiter und kriege weniger mit als ich eigentlich sollte… Das Gestalt-Gebet, das ich unbedingt vor der Bühne noch machen wollte, lasse ich aus, da es mir für die Jungendlichen, die sowieso schon vor lauter Witzigkeit mit den Hufen scharren, als zu tiefsinnig erscheint.

Dann gehe ich aber doch das Risiko ein und machen die Traumreise: Gehe aus der Stadt raus. Lege dich auf die Wiese. Jemand wird dir ein Geschenk geben. Betastet es und spürt, was es ist. Dann öffnet die Augen und erkundet den Raum. Seht alles zum ersten Mal wie ein neugeborenes Kind. Zunächst alleine. Dann seht ihr den anderen, später könnt ihr auch langsam in Kontakt gehen. Bitte die ganze Zeit nicht sprechen.

Die Jungs sprechen doch, sie sind kaum zu bremsen! Ich mache die Traumreise deshalb ziemlich zügig und wechsele rasch zum Bühnenaufbau und zu Schritt für Schritt, wo jeder 2x drankommt. Anschliessend folgen Duos mit Requisite, auch hier kommt jeder mindestens 2x dran. Vorher hatte ich mir noch Sorgen gemacht, ob ich auch die richtige Musik auswähle und ob die Spiele auch rechtzeitig beendet werden. Das ist jetzt überhaupt kein Thema mehr: Musik wird keine gebraucht, und die Duos finden selber den Moment für das Ende. Überhaupt ist es schön zu sehen, wie die Nase alle Teilnehmer verändert, wie selbständig und rücksichtsvoll die Duopartner miteinander umgehen, und welche schönen Spielideen kreiert und ausgespielt werden.

Für mich ist es ein rundum gelungener Einstand und auch die Rückmeldungen aus der Schlußrunde bestärken mich in dem Eindruck, dass ich hier keinen überfordert oder Eulen nach Athen getragen habe, sondern das alle ihren Spass hatten und einige sicher noch mehr für sich persönlich mitnehmen werden. Zu guterletzt bekomme ich noch ein Riesenkompliment von Feli (das ich aber schon wieder vergessen habe, es ging irgendwie darum, „den eigenen Clown rauslassen zu dürfen“).