Mein erstes Clowns-Seminar, das ich selber gegeben habe

Mein erstes „eigenes“ Clowns-Seminar, das ich selber leite, wird in 90 Minuten starten. Ich war schon seit Monaten ziemlich aufgeregt gewesen, nun herrscht allerdings organisatorische Betriebssamkeit vor, es gibt noch einiges zu regeln. Es läuft alles ganz gut, der Raum ist schon nett hergerichtet, die letzten Matrazen werden schnell weggeräumt, es gibt sogar Stühle und einen Schlüssel zum Abschliessen, damit uns keiner stört. Doch jetzt verzögert sich das Ende der vorherigen Veranstaltungsblocks, so dass ich kurzerhand die Anfangszeit auf 13:15 verschiebe, dann wird es aber doch 13:30.

Feli aus Kamp-Lintfort ist die erste Teilnehmerin, dann trudelt Alfi, ein in klassischer indischer Musik ausgebildeter Niederländer aus Amsterdam, und schliesslich komplettieren mit Ali, Ahi und Dai drei Jungs aus der Nachbarschaft die Runde – zwei Brüder und ein Freund, 15 bis 17 Jahre alt. Ich freue mich, dass sie mitmachen, sonst wären es doch arg wenig gewesen. So sind wir zumindest zu sechst und können bei den Übungen zwei Dreiergruppen bilden, und auch bei den Duos kommt es gut aus.

Nach der Einführungsrunde im Sitzen stellen wir uns im Stehen (Bodenkontakt, Atmung, Hände reiben, Augen öffnen, Humor injizieren …) mit einer Bewegung vor, die alle nachmachen müssen. Dann folgen einige Körperübungen um an- und ins Spiel zu kommen. Klatschen im Kreis, mit Richtungswechsel. Gehen, immer schneller, dann wieder langsamer und schliesslich in Zeitlupe. Dann die Gemüseübung und zwei Ballon mit vollem Körpereinsatz in der Luft halten. Das macht Spaß und kommt gut an!

Da jetzt alle so aktiv und wach sind, ziehe ich nun die beiden Technikübungen ABC (einer muß sitzen – einer stehen – einer liegen) und 123 (Andocken, Einfrieren, Spüren, Abdocken, Gucken, wieder neu Andocken) vor. ABC ist gut für das Spüren von Impulsen und aufeinander zu achten. 123 ist gut für das Gruppengefühl und das Einschwingen in das Gruppenfeld. Immer wieder entstehen witzige Gebilde und es wird viel gelacht, das kommt sehr gut an – ich bin in dieser Phase (aber auch später) mehr Spieler als Leiter und kriege weniger mit als ich eigentlich sollte… Das Gestalt-Gebet, das ich unbedingt vor der Bühne noch machen wollte, lasse ich aus, da es mir für die Jungendlichen, die sowieso schon vor lauter Witzigkeit mit den Hufen scharren, als zu tiefsinnig erscheint.

Dann gehe ich aber doch das Risiko ein und machen die Traumreise: Gehe aus der Stadt raus. Lege dich auf die Wiese. Jemand wird dir ein Geschenk geben. Betastet es und spürt, was es ist. Dann öffnet die Augen und erkundet den Raum. Seht alles zum ersten Mal wie ein neugeborenes Kind. Zunächst alleine. Dann seht ihr den anderen, später könnt ihr auch langsam in Kontakt gehen. Bitte die ganze Zeit nicht sprechen.

Die Jungs sprechen doch, sie sind kaum zu bremsen! Ich mache die Traumreise deshalb ziemlich zügig und wechsele rasch zum Bühnenaufbau und zu Schritt für Schritt, wo jeder 2x drankommt. Anschliessend folgen Duos mit Requisite, auch hier kommt jeder mindestens 2x dran. Vorher hatte ich mir noch Sorgen gemacht, ob ich auch die richtige Musik auswähle und ob die Spiele auch rechtzeitig beendet werden. Das ist jetzt überhaupt kein Thema mehr: Musik wird keine gebraucht, und die Duos finden selber den Moment für das Ende. Überhaupt ist es schön zu sehen, wie die Nase alle Teilnehmer verändert, wie selbständig und rücksichtsvoll die Duopartner miteinander umgehen, und welche schönen Spielideen kreiert und ausgespielt werden.

Für mich ist es ein rundum gelungener Einstand und auch die Rückmeldungen aus der Schlußrunde bestärken mich in dem Eindruck, dass ich hier keinen überfordert oder Eulen nach Athen getragen habe, sondern das alle ihren Spass hatten und einige sicher noch mehr für sich persönlich mitnehmen werden. Zu guterletzt bekomme ich noch ein Riesenkompliment von Feli (das ich aber schon wieder vergessen habe, es ging irgendwie darum, „den eigenen Clown rauslassen zu dürfen“).

MOZ-Trio am Mittelaltermarkt und Hofgarten, München

Nachdem das weltberühmte 😉 MOZ-Trio im Juni einen sensationellen Auftritt im Schloss Nymphenburg hatte, war nun die spannende Frage, ob das Trio am 9.12.2017 diesen Erfolg wiederholen könnte. Als Lokalität wurde wieder München ausgewählt, nur diesmal starteten wir am Odeonsplatz, besuchten einen Mittelaltermarkt, schlugen uns durch die vollen Straßen, flüchteten in den Hofgarten, und endeten mit dem Transport eines Weihnachtsbaumes.


Route unserer Himalaya-Expedition auf eiskaltem und unbekanntem Terrain

Und diesmal starteten wir im Winter, brrrrh, nicht im Sommer. Der Auftritt dauerte von 13:30 bis 16:20, also rund drei Stunden. Die Zeit ging diesmal sehr schnell dabei, wir machten keine Pause (höchstens 5 Minuten), ich war nachher nicht so erschöpft wie beim ersten Mal.

Ich bin eine halbe Stunde früher da und kann die einzelnen Lokalitäten checken, die wir uns im Vorfeld überlegt hatten: die diversen Weihnachtsmärkte und Einkaufsstraßen. Alles sehr überfüllt, nur der Mittelaltermarkt scheint bespielbar zu sein. Doch dort gibt es ein ausführliches Künstlerprogramm, was mit unserem kollidieren würde. Mittelalter, Gaukler, Puppenspieler und Stelzenläufer…

Und dann sind Zora und Gustaaf da! Gemeinsam mit ihren Haus- und Hofphotographen parken sie hinter der BSB und haben gerade ausgeladen, als ich ankomme. Großes Hallo und sofort wird losgespielt, kein Aufwärmen. Obwohl, DAS wäre dringend notwendig, denn es ist arschkalt, vor allem, wenn man im Wind steht. Zora bestreitet energisch, es bis 16 Uhr aushalten zu können und im Stillen pflichte ich ihr zu: Eine Stunde – länger nicht! Ich leihe mir die weissen Baumwollhandschuhe von Gustaaf, ich habe Wollsocken, lange Unterhose, Skiunterhemd, Einlegesohlen, aber an Handschuhe habe ich nicht gedacht! Die machen wirklich einen Unterschied und sind meine Rettung. Ich nehme sogar meine Daunenjacke mit, da mir schon vor dem Nachhauseweg graut (doch – was für ein Wunder! – wir spielen uns so warm, dass wir nicht nur lange durchhalten, sondern auch keinen Gedanken an den Nachhauseweg verschwenden.

Dann ziehen wir los, und das Spielen beginnt stante pede, und bereits auf der Briennerstraße kommen wir keinen Schritt weiter und haben einige schöne Begegnungen. Wir stellen uns an die Schaufensterfront, verschnaufen und lassen die Leute auf uns zuströmen. Doch noch bin ich im Suchmodus, habe Stress, nicht genügend Leute/Gelegenheiten zum Anspielen zu finden. Wenn wir stehen, ist es ok, es kommen viele Menschen vorbei und bei einigen passt es, und wir können andocken (wie zB die Santacon-Leute), die sich als Weihnachtsmänner verkleidet haben und ausschwärmen, um Glühwein zu trinken und Kinder zu beschenken.

Auf dem Mittelaltermarkt angekommen, ist es Zora und Gustaaf zu voll, zu viel Mittelalter und Spektakulum… Ich fühle mich dagegen pudelwohl in der Menschenmenge. Aber zuvor sagt Zora: „Ich möchte tanzen!“ und wir legen Musik auf und wir schweben nur so dahin, Fooling-Wolke 7. Dafür bin ich hierhergekommen, danach sehnen sich die Leute, und das möchte ich gerne mit ihnen teilen (und dabei ist es so leicht und einfach und fließt nur so). Die Anziehung zwischen uns ist mit den Händen zu greifen und verzaubert die Zuschauer (einige schauen uns verstohlen zu). Als wir zu Ende sind, gibt es Szenenapplaus.

Der zweite magische Moment findet dann im Hofgarten statt, wohin es uns auf der Flucht vor dem Trubel, Gedränge und Konsumiere verschlagen hat. Zunächst bleiben wir aber mitten im Eingangstor stehen – keine schlechte Wahl, denn hier müssen alle vorbei. Dann räumen wir den Platz – immer der Sonne nach, die so langsam untergeht – und es wird wirklich ruhig. Die Leute sehen uns schon aus der Entfernung und können uns gezielt ansteuern oder auch nicht. Was immer geht sind Fotosessions, es wird scheu nach Selfies gefragt und sich ein Ast ab gefreut, wenn wir uns dafür zur Verfügung stellen (wir wären bei unserem genialen Outfit ziemlich schnell ziemlich reich, wenn wir nur pro Gruppenbld 5€ verlangen würden). Besonders nett und dankbar ist ein koreanische Familie mit Mutter und Großmutter, die von Gustaaf formvollendet und offensiv in ein Gruppenbild hineingebeten wird.

Nach einer kurzen Essens- und Kinderpunschpause (ich kriege fast nix runter, will immer noch weiter spielen), kommt Tom mit dem Reserveschnee aus dem Auto an. Während ich mich dem Schnee widme, bespielen Zora und Gustaaf eine Boolerunde. Ich stelle mich mitten in die letzten Sonnenstrahlen, mir ist alles egal, ich greife mit vollen Händen in den Schneesack und lasse den Schnee über mir herabrieseln. Ich lasse mich von der Stimmung und der Musik (Milo von Fredrik) verzaubern, tanze mit den Schneeflocken und den Sonnenstrahlen ein himmlisches Duett. Minutenlang, gefühlte Stunden lang, bis der Schnee alle ist und die Sonne weg ist. Ein einziger, gelbgeschalter, älterer Zuschauer taucht am Rande meiner Wahrnehmung auf, er hält die ganze Zeit mit seinem Smartphone auf mich drauf. Er kümmert mich nicht.

Die ganze Zeit zieht es mich schon zur Mitte des Hofgarten, zum Dianatempel (Diana ist übrigens die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt, Beschützerin der Frauen und Mädchen). Den entern wir, bauen die Musik auf und fangen an dem Platz entsprechend mit großen Schritten und Gebärden zu tanzen. Viele kommen vorbei, gucken zu, es ist wirklich ein Superort! Doch leider macht die USB-Box schlapp und wir verlieren uns im Kontakt mit zufälligen Passanten. Bezeichnend ist das Gespräch mit einem deutsch-französischen Musiker und seiner türkischen Freundin. Nettes Pärchen ohne Frage, aber ich spüre keinen Kontakt, der über Smalltalk hinausgeht. Wieso haben wir ihn nicht gefragt, ob er uns nicht etwas auf seinem Instrument vorspielen könnte?

Nett: Mit einer Dreiergruppe von Schulmädchen ein Gespräch über Tiere oder Verkleidungen(?), und ich frage die eine mit lustigen Ohren an der Mütze: Bist du ein Hase oder was? Da zieht sie mit einem Ruck ihr Mütze runter, es sind Löcher für die Augen drin, und da sieht sie original aus wie Batman. Aber ich war sowas von perplex…

Durch diese Auftritte wird mir immer klarer, was mir wirklich am Herzen liegt: Ich möchte etwas mit den Menschen teilen. Nicht irgendetwas, sondern eine geheime, innere Welt. Die Welt der schönen, erhebenden Gefühle; die Welt, die über das Materielle hinausgeht. Ich möchte meine Welt mit der der Menschen teilen und mich inspirieren lassen von deren Welt. Das geht am besten non-verbal mit Musik (deswegen der obige Satz), oder besser non-rational, denn Singen ist auch prima zum Teilen geeignet. Sich gemeinsam verzaubern lassen, gemeinsam die Fooling-Energie erwecken, die Zuschauer mit in diesem Kreis hineinziehen … das wäre es doch!

Ich spreche den ein oder anderen Passanten an, verschenke unsere sorgsam vorbereiteten Schnee-Streichholzschachteln mit einer kurzen Bemerkung a la „Garantie für weisse Weihnacht“ oder so, da es ist fast nicht stimmig für mich, eher schon die Bonbons für die Kinder. Auf dem Nachhauseweg sehen wir die Besucher eines Cafes und versuchen ihnen Bonbons durch das Glas zu geben oder Zuckerherzen auf die Hand zu streuen – es klappt nicht. Dann sehe ich eine Frau alleine am Tisch sitzen, sie macht einen traurigen Eindruck auf mich. Aus Scham traue ich mich einen Moment nicht sie durch die Scheibe anzuspielen. Doch dann hat sie mich schon gesehen und blüht auf, zückt schliesslich ihren Fotoapparat um den Moment festzuhalten. Ich bin dann genauso schnell wieder weg, wie ich da war, aber Gustaaf nimmt sich Zeit, um noch länger mit ihr das Scheibe-verhindert-Geben-Spiel zu spielen. Auf dem Nachhauseweg sage ich – den Handkarren mit den Weihnachtspaketen ziehend – jedem, der mir entgegenkommt, in einer Mischung aus wehleidig und trotzig: „Immer muss ich den Karren ziehen!“ Das bleibt fast – bis auf die wenigen Male, wo ich erkläre, dass wir dem Weihnachtsmann ausbeüxt sind, weil der uns Wichtel so ausbeutet, die einzige Reminiszenz an unsere Spielstory.

Zum Schluß nehmen wir noch einen Mann mit, der unter seinem Tannenbaum fast zusammenbricht, bzw. transportieren seinen Baum zu ihm nach Hause – wir haben denselben Weg. 🙂 Eine schöne Schlußpointe unseres Auftritts.

Zur Arbeit im Trio
Mir sind noch ein paar Gedanken zur Trioarbeit gekommen. Auf Station trennt sich ein Trio meistens auf, so dass oft ein Duo unterwegs ist und einer alleine. Zwischendurch wird dann wieder angedockt, eine Zeit lang als Trio gespielt, und dann geht es wieder weiter, und es können sich neue Konstellation ergeben. Das finde ich sehr bereichernd, weil ich manchmal besser alleine unterwegs sein kann und manchmal besser im Duo oder Trio. Der Vorteil, zu Dritt zu sein, ist die Möglichkeit auch einmal „Pause“ machen zu können, durchzuatmen, zu sich zu kommen, das ganze einmal von außen zu betrachten, was mir auch immer ganz wichtig ist. Was die Spielidee, die Geschichte angeht, die man transportieren möchte, sollte man sich zuerst einmal überlegen: Wofür braucht es eine Geschichte? Ist die Geschichte nur der Aufhänger, die Erlaubnis, in Kontakt treten zu können/dürfen? Ist die Geschichte wichtig zur Erreichung des Ziels? oder ist es „nur“ der Kitt, der das Trio sinnstiftend zusammenhält? M.E. kann ein Trio sehr gut funktionieren, wenn es um starke Top/Down-Geschichten geht, um starke rot-weiße Unterschiede. Da fallen mir spontan ein: 1 Herr – 2 Diener, 1 Prinzessin – 2 Verliebte, 1 König – 2 Gespielinnen, 1 Löwe – 2 Löwenbändiger, 1 Irrer – 2 Wärter, 1 Unruhestifter – 2 Aufpasser usw. Solche Situationen und solche Hierarchien kennt jeder, damit kann jeder was anfangen, die sind immer klar – egal in was für einer Situation man ist. Da hat man sehr viel Stoff zu Verfügung, der zudem noch den Vorteil hat, dass er von innen heraus, aus den Archetypen, genährt werden kann.




Deep Clown mit Moshe Cohen

​Am 25.-26.11.2017 war Moshe zum dritten Mal in der Theaterwerkstatt Bethel/Bielefeld um einer Gruppe von Klinik- und Hobbyclowns sein Konzept des „Deep Clowns“ und von „Enlightfulness“ nahezubringen. Mit Techniken aus dem Zen und Tenshingoso führte er uns dazu, die Verbindung zu unserer inneren Clownwelt und dem Publikum neu zu suchen und zu festigen. Mit Poesie und Spontanität wurden unsere Sinne angeregt, noch feiner, unsere Ernsthaftigkeit, noch leichter und unsere Freude noch ausgelassener. Beim Entschleunigen halfen Übungen aus dem japanischen Butoh-Tanz.

Moshe Cohen: Je mehr wir mit uns selbst verbunden sind, je mehr sind wir mit dem Publikum verbunden.

Internationales Sommerfest, Flüchtlingshilfe Roxel


Auf der Sonnentreppe vor dem Pfarrheim

Internationales Sommerfest der Flüchtlingshilfe Roxel (die btw ein großartiges Logo haben) auf dem Kirchplatz der katholischen Pfarrkirche St. Pantaleon.


Das schöne Logo der Flüchtlingshilfe Roxel

Bruno und seine Clownsfreundin Danndann sind schon eine Weile unterwegs, sie wurden auf dem Weg zum Fest immer wieder „aufgehalten“. Sie finden eine Plastikflasche und entscheiden sich dafür, durch Flaschensammeln Millionär zu werden. Sie gehen langsam in Richtung Fest, immer achtsam nur keinen Passanten zu verlieren, doch dann hört Bruno ein lautes Trommeln und ist nicht mehr zu halten! Er läuft schnurstracks zur Quelle der Musik und fängt an, in einigem Abstand von dem Geschehen den genialen Rhythmus mit den beiden Flaschen auf einem Stehtisch mitzutrommeln. Doch dann wird er und Danndann in die Mitte des Kreises, der von etwa 30-60 Leuten gebildet wird, gelotst. Und dann ist alles nur Musik, Kontakt, Einladung zum Spiel, Ein-Spiel-gibt-das-Andere und die 50-100 Zuschauer stören mich schon lange nicht: Bruno und Danndann tanzen wild, lassen die Hüften kreisen, schwingen sich ein, Kinderspielen „Abklatschen“, holen die Rasseln raus und trommeln mit (eine Rassel geht kaputt, Bruno ist untröstlich), verbinden sich mit dem Vortänzer. Bruno hat eine Idee (schon wieder!), er nimmt Danndann an die rechte Hand und den jungen Mann an die linke, Danndann nimmt zwei Mädchen an ihre Hand, und so bilden wir einen schönen Halbkreis. Dann kommt ein älterer Mitbürger, der die ganze Zeit schon halb im Kreis stand und hebt die Rassel auf, die uns hingefallen war und nun achtlos auf dem Boden in der Mitte liegt. Ich schließe den Kreis um ihn, und wir tanzen um ihn herum! 🙂 Doch dann hat Bruno langsam genug (der Trommler kommt gerade zum Schluß) und verabschiedet sich genau so schnell aus dem Kreis, wie er dazu gekommen ist.


Gleich kommt es zum Ringelreihen


Danndann und Bruno beim Abklatschen


Die Rassel ging kaputt – Kein Grund zur Trauer!

Dann heißt es von den Organisatoren: Auf ins Pfarrheim! Auf dem Weg dorthin setze ich mich spontan in die Sonne auf die Treppe zum Pfarrheim. Es überkommt mich die Lust, etwas nur für mich zu tun und Ukulele zu spielen. Over the rainbow. Danndann singt mit. Das ist vielleicht ein genialer Platz! Dort bleiben wir bestimmt eine halbe Stunde lang sitzen und wir spielen alle Erwachsenen Kinder die aus dem Pfarrheim rauskommen (denn dort ist die Küche und dort gibt’s den Kuchen und den Kaffee)! Die Leute sind ganz närrisch und müssen alle ihre Kinder mit uns fotografieren. Mira hat es mir besonders angetan (oben auf dem Bild rechts). Ich dichte Stücke auf Kindernamen und spiele irgendwelche Akkorde dazu, Hauptsache laut singen 😉 Ich blase Ballons auf, manche fliegen weg 😀

Alles in allem war der erste gemeinsame Auftritt von Danndann und Bruno ein überaus gelungener Einstand um nicht zu sagen Geburt eines neuen Clownduos.

Altenheim Dechaneihof St. Marien

Mein erster Auftritt in einem Altenheim führte mich zum Dechaneihof St. Marien in Freckenhorst. 50-Jahrfeier mit einem großen Programm: Tanzgruppen, Kiepenkerlverein, Bachrednerin, Ukulele-Orchester, A-Capella-Chor, Zauberin und … Clown Bruno. Ich war etwas nervös, mein erster Auftritt im Altenheim und mein erster mit einem „alten-tauglichen“ Kostüm. Deshalb hatte ich mich auch bei Lösings in Altenberge mit wunderschönen Rosen eingedeckt – (sich) Verschenken klappt immer … obwohl viele misstrauisch dachten, aus der Blume würde gleich ein Wasserstrahl spritzen und sie nass machen! Nach einigem Vorgeplänkel und Aufwärmspielchen mit den Mitarbeitern zog ich los. Meine Intuition liess mich an einer Bierzeltgarnitur Platz nehmen und Annegret und ihren Mann, Hedwig, Alfons und Jan kennenlernen. Hedwig war putzmunter und berichtete begeistert von ihrem Urlaub im Allgäu. Ich war noch etwas reserviert und konnte gar nicht emotional folgen, wurde aber mit zunehmender Dauer wagemutiger und spielfreudiger.

Dann folgten weitere zahlreiche Begegnungen, – ich musste ja schließlich meine Blumen loswerden -, hauptsächlich mit Frauen (das Betreuungs- und Waffelbacktrio Anja, Maria und Yvonna; die Vorstandsdame der Kiepenkerlbrüderschaft; der Zauberin (sie habe ich ein bisschen bedauert, weil auf der Bühne so weit weg von den Leuten stand und sich abmühen musste) aber auch einige schöne mit Männern (denen ich immer die Blumen als Geschenk für ihre Frauen andrehen konnte). Kritisch dann immer: Wer ist unverheiratet/beziehungslos/will vielleicht gar nicht? Frauen, die keine Blumen von ihren Männern bekamen, gab ich den Tipp, sich die Rose auf den Küchentisch(!) zu stellen und vorzugeben, es wäre von ihrem Mann, das würde dann auf den Mann „abfärben“. Alter Clownstrick 🙂

Doch immer wieder werden auch Kinder auf mich aufmerksam (trotz meiner inkognito-Opaklamotten; Die Entschuldigung „Ich habe Angst vor Kindern“ glaubt mir allerdings keiner), eine schickt mich zum Kinderschminken. Dort entdecke ich zwei nette Damen auf einem formidablen roten Sofa, das mich magisch anzieht. Dort möchte ich drauf sitzen, allerdings ist kein Platz frei. Soll ich links von der einen Dame sitzen oder rechts von der anderen? Dann rücken beide ein Stück zur Seite und nehmen mich in die Mitte!

Tanzen mit Laura, die ein schönes Pferd im Gesicht trägt – nein, lieber nicht, dann halt Fußball mit ihrem Bruder, Hauptsache es gibt einen Luftballon, doch der blaue Tierballon saust übers Dach in den Nachbargarten und ist einfach weg! Da habe ich zu wohl viel Schub gegeben. Dem 1,5 Jährigen, der mich mit seinem Plastikauto fahren lassen wollte, schenke ich dann auch einen Luftballon. Beim dritten Mal klappt es, doch der junge wirft den Ballon zu Boden und – peng! – er platzt. Alle erschrecken, nur der Junge und schauen uns lachend an (wir verstehen uns blind): So muss es sein!

Fazit: Bei Erwachsenen und Senioren ist es weniger das Auja! gefragt als das geduldige Zuhören. Das spontan-chaotische Spiel steht – wen wundert’s – nicht im Vordergrund, dafür Kontakt, oft verbal, gerne aber auch körperlich, der Clown darf hier Grenzen (der Etikette, der Regelkommunikation) überschreiten und macht es auch gerne. Bruno kommt dem Gegenüber nahe, und wenn es ok ist auch sehr nahe. Daraus entstehen oft die schönsten und berührendsten(!) Momente. Was mir noch aufgefallen ist: Es gibt bei Erwachsenen nicht diese klare Grenze zwischen Privatperson und Clown wie bei den Kindern. Oft sprechen mich die Erwachsenen als „normales Gegenüber“ an, und ich antworte dann auch „normal“ (denke dann aber: Dafür bist du nicht hierher gekommen, du willst doch ein guter Clown sein!).