MOZ-Trio im Schloss Nymphenburg

Was lange währt wird endlich gut: Schon seit dem Fooling-Wochenende am 20. März planen wir (Gustaaf, Zora und Bruno – das berühmte MOZ Trio) einen gemeinsamen Auftritt. Nach diversen Proben in Münster, Kaiserslautern und Grafing ist es heute soweit. Die Schloss Nymphenburg soll als würdiger Rahmen für unsere Improvisation dienen.

Bruno zieht sich schnell auf der Toilette des nahe gelegenen Backspielhaus um. Die Verwandlung ist gelungen, er erntet erste anerkennende Blicke. Die Hose sitzt (zu) hoch, die Schuhe sind (zu) flach -> die Happy Socks kommen gut zur Geltung! Die gelbe Bauchbinde passt auch wie angegossen, verrutscht aber leider des öfteren im Spiel und gibt den Blick auf die Unterwäsche frei 🙁 Fotografin Eva macht den letzten Knopf meines Volkstheater-Livrees zu: perfekt! Der Thronkarren wurde von Tom genial zusammengebaut und so ziehen wir über die Buckelpiste los zum Schloss – nicht ohne zuvor unsere Namen noch einmal abgeglichen (und geändert) zu haben – Zora heißt für die nächsten Stunden nur „die Prinzessin“. Dort fahren gerade ein Schlitten neben dem anderen vor, ihnen entsteigen junge Damen in roten Kleidern – ein türkische Hochzeit? Bruno’s erster Impuls, diese Veranstaltung zu stüremne, wird von der Prinzessin abschlägig beschieden: Sie ist heute der Boss, ganz klar… Stattdessen stellen wir uns zum Fuhrpark dazu und stellen ganz unbescheiden fest, dass wir eindeutig die beste Karosse haben.

Die Leute werden auf uns aufmerksam und jeder möchte ein Foto von und mit uns machen. Was mich anfangs nervt (weil es so inflationär ist) wird im Laufe der Zeit unser bestes und kontinuierlichstes Kontaktspiel mit den Passanten. Und was für Länder es da gibt! Bruno kommt aus dem Staunen (und Englisch-Sprechen) nicht mehr heraus und lernt „Danke- und Guten Tag“-Sagen“ auf japanisch (arigato), chinesisch (shinshen), italienisch (mille grazie), indisch (namaste) und omanisch (salamu aleikum). Verbunden mit einem höflichen Diener (oder besser noch Knicks) ist die halbe Miete, die Konversation läuft prima.

So langsam stellt sich unser eigentlicher Auftrag heraus: Wir suchen einen Prinzen für die Prinzessin! Leider sind etliche nicht geeignet, viele auch schon vergeben (obwohl: am Alter soll es nicht scheitern, es braucht nur Geld 😉 ), so dass sich einige Kontaktmöglichkeiten und Gespräche (um nicht zu sagen Diskussionen) ergeben. Der schöne, langhaarige Student im Brustton der Überzeugung: „Ich bin auch eine Prinzessin!“ (ob’s an der zeitgleichen CSD-Parade liegt? 🙂 ).

Im Vorfeld hatten wir wie gesagt einige Spiele ausgedacht, geplant und geprobt, doch jetzt entstehen spontan neue Spiele:

  • Die Prinzessin kann jederzeit Kontakt machen, indem sie jemandem den Ball zu wirft.
  • Bruno kann mit dem Ball spielen, ihn hochwerfen, ihm – verträumt – nachgucken.
  • Die Hupe signalisiert den Lakaien, dass die Prinzessin es wünscht weiterzufahren.
  • Gustaaf erklärt allen in sonorem Ton unseren Auftrag: „Einen Prinzen finden“.

Am zentralen Brunnen ist mittlerweile die Fangruppe Haidhausen-Süd angekommen und mit ihr ganz viele Kinder, die dem Treiben aus respektvoller Distanz gebannt zuschauen. Und jetzt bittet die Prinzessin(?) um Musik und prompt entwickelt sich ein wunderschönes Foolingspiel um die geheimnisvoll ab- und anschwellende Musik aus der Kiste. Bruno und Prinzessin sind zuerst gebannt, dann erschreckt und Bruno schützt die Prinzessin mit dem Schirm vor den bösen Mächten. Dann pfeift der Wind unter den Schirm und Bruno wird einfach weggeweht! Er kämpft mit dem Schirm, der plötzlich ein eigenes Leben entwickelt, und schafft es mit letztes Kraft, den Schirm zu schließen und zwischen seinen Beinen wegzusperren. Dumm nur, dass er dort stecken bleibt und nicht mehr rausgeht! Bruno drückt von vorne, die Prinzessin zieht von hinten, doch erst als Gustaaf mit dem goldenen Ball ankommt (der sich immer mehr zu einem magischen Allheilzaubermittel entwickelt), ist der Schirm wieder frei.

Doch die Schirmnummer geht weiter: Die Prinzessin jongliert den Schirm wie ein Tanzmajor und schließlich erliegen auch Gustaaf und Bruno dem Schirmzauber und sehen neugierig und gebannt nach, was sich dort unter dem Schirm eigentlich tut. Sie werden ganz still und gehen in die Hocke, gehen unter den Schirm, und sind am Ende dort wie in einer geheimen Höhle vereint.

Dann stehen sie aufrecht, Rücken an Rücken, unter dem Schirm und schauen verwundert nach draußen: Sind überhaupt noch Zuschauer da? Ist das überhaupt noch wichtig? Doch die Fotos beweisen: Zumindest die Kinder waren die ganze Zeit dabei! Und dann kramt Bruno das Netz heraus und sie lassen den goldenen Ball hin – und herschweben. Fällt er mal herunter, ist sofort ein Kind zur Stelle, um ihn wieder aufzuheben.

Irgendwann landet der Ball auf Brunos Kopf und von dort im Brunnen. Jetzt ist das Geschrei groß! Bruno rudert mit den Händen, angelt mit dem Schirm, zieht sich die Schuhe und Socken aus und springt fast hinterher. Die Prinzessin fordert glücklicherweise alle zum Pusten auf, den sonst wäre der Ball auf der Insel im Brunnen gelandet. Dabei ist der Ball schon kilometerweit abgetrieben worden und die schlaue Prinzessin ist auf die andere Seite gelaufen und hat ihn sicher an Land gezogen. Dumm nur, dass das keiner gemerkt hat! Gustaaf diskutiert eifrig mit Passanten und Bruno weiß nicht mehr, wierum er die Socken anziehen soll! Doch dank der Unterstützung der überaus hilfsbereiten und kenntnisreichen Kinder (du musst die Hand in die Socke stecken! Nein, nicht so rum, andersrum!) steht Bruno bald schon auf und sieht die Prinzessin mit dem Ball. Er ruft Gustaaf herbei und zu dritt zelebrieren sie den Wiedergewinn des magischen Spielgeräts.

Diese Spiele zu dritt sind immer besonders schön (und magisch) aber selten, denn zu zweit kommt man einfacher zusammen. Der dritte kann dann Fokus geben. Oder man spielt alleine und bekommt Fokus von den beiden – klappt auch! Hin und wieder sind wir auch jeder für sich alleine unterwegs. Was dem unmittelbaren Kontaktpartner vielleicht ganz gut gefällt, wirkt auf Außenstehende aber eher uninteressant, da man so nicht so gut sichtbar ist. Ein gutes Beispiel ist die Choreo von Bruno zu dem Lied „Eisbär“. Plötzlich stehen die Kinder vor ihm und Gustaaf und Prinzessin unterhalten sich sonstwo. Bruno hat nur einen Gedanken: Mit den Kindern zu tanzen! Er macht das Eisbär-Lied an und zieht eine Nachbarin auf die Tanzfläche vor dem Brunnen. Die macht zunächst auch brav mit – die Kinder leider nicht. Dann springt Gustaaf ein und zum Schluss (Eisbären weinen nie) sogar die Prinzessin! Auch wenn er nachher Kloppe für sein eigenmächtiges Spiel bekommt, macht ihm das fast nichts aus. Für einen göttlichen Moment hatte er seine Bühne und war im Eisbär-Flow! No risk, no fun!

Kurz vor der Kaffeepause gibt es noch eine dichte Folge von schönen Begegnungen und Spielen: Zuerst ein kurzer Flirt mit dem Nymphenburger Gondoliere (seine Passagiere winken uns begeistert zu), der in Gustaaf einen alten Kampfgenossen wiederzuerkennen glaubt. 🙂 Dann noch der grünbärtige Rocker mit den beiden Kleinhunden, dann das Blind-Date-Päärchen (Erkennungszeichen rote Clownsnase!) und zum krönenden Abschluss ein Tanz von Gustaaf und Prinzessin, zum dem Bruno Seifenblasen beisteuert, die sich ihren Weg durch die dichtgrünen Bäume am Wegrand bahnen. Dann bittet Bruno auch noch die Fotografin Eva zum Tanz. Wie das neue Stück einsetzt, stehen sich plötzlich Gustaaf und Bruno gegenüber. Mehr schlecht als recht schwingen sie zu Tangoklängen ihre Hüfte und die des anderen. Eine arabische Familie weiß nicht wie ihr geschieht und denkt vermutlich über den Sittenverfall in Europa nach… Dann gibt es als fünftes Spiel ein lustiges Ringelreihen aller drei mit zwei japanischen Studenten bevor es eine gut 3/4-stündige (und notwendige) Pause im Palmencafé gibt. Bruno ist gar, sein Herz hämmert, so dass er an eine Fortsetzung nicht zu denken wagt, doch Gustaaf spricht das Undenkbare gelassen aus: Sollen wir noch eine Stunde drauflegen? Gesagt – getan! (ein Rückzug ohne Spiel wäre für jeden waschechten Clown sowieso unmöglich)

to remember:

  • Bruno schmeißt sich für ein Gruppenfoto auf den Boden.
  • Familie mit Großmutter, Mutter, Kindern, Anhang. Die Prinzessin schäkert mit den Jungs. Gustaaf findet heraus, dass die Mutter auch noch einen Prinz sucht. Bruno möchte mit der Großmutter ein Rollstuhlrennen machen.
  • Bruno liegt im Dreck auf dem Boden, den goldenen Ball vor sich. Gustaaf und Prinzessin schreiten würdevoll zum Brunnen, sich nicht umdrehend. Die Prinzessin denkt: Ach, könnten wir doch nur über das Wasser gehen!
  • Gustaaf und Bruno üben das Netz-Ball-Spiel noch ein zweitesmal, diesmal aber ruhiger, ausgiebiger. Kinder holen immer wieder den Ball und legen ihn ins Netz.
  • Gustaaf’s Encounter mit einer älteren Dame mit Haarreif, die sich auch als Prinzensucherin herausstellte: „Heute waren aber viele im Park, die einen Prinz suchten!“

Resümee: Gustaaf, Bruno und die Prinzessin sind eine starke Truppe. Die gemeinsamen Erfahrungen beim Fooling und die Proben haben sich ausgezahlt. Gustaaf ist ein starker Weißer, Bruno ein starker Roter und die Prinzessin eine starke Weißrote. Das scheint zu passen!

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