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Südviertelfest, die Zweite


Fitti und Bruno haben mal kurz den Polizisten die Mützen gemopst 🙂

Nach 2015 war dies der zweite Auftritt Brunos auf dem Südviertelfest. Als Teil der Clownslabor-Truppe war er mittlerweile fester Bestandteil der schönen Veranstaltung. Und Bruno hat noch mehr Spaß als im vorletzten Jahr, insbesondere auch wegen des kreativen und aufmerksamen Zusammenspiels mit seinen KollegInnen Paco (Altenberge), Fitti (Celle), Frieda (Dortmund) und Kichererbse.

In weiser Voraussicht hatte Bruno seinen Sonnenschirm mitgebracht, doch Fingerfarbe und Malerkittel blieben im Südviertelbüro zurück – die Performance wurde vertagt. Nach der Ankündigung durch die Moderatoren und einem kurzen Besuch der kompletten Truppe bei den Clownskollegen vom Schachverein Münster (Kichererbse hatte eine eigene Schachfigur dabei, die man aufziehen konnte…), stürmten Fiete und Bruno gegen halbherzigen Widerstand der Organisatoren just in dem Moment die Bühne, als die Bürgermeisterin Karin Reismann dort ihren Auftritt hatte. Statt irritiert zu sein, fing „Clownin Karin“ an, ihre Kollegen vom Clownslabor souverän zu interviewen – halt Politprofi durch und durch!

Bei soviel Wohlwollen hatten die Clowns schnell genug und machten sich zu zweit, dritt oder alleine auf – bei beginnendem Regen -, Anarchie und Humor weiter zu tragen. Und immer mal wieder Kinder unterwegs, die einem den Weg zeigten (zum Hubsteiger, aber da schwebte schon Kichererbse in den verhangenen Münsteraner Himmel, ihren Regenschirm in die Menge werfend (springen wollte sie dann doch nicht, obwohl wir mit einigen Kindern bereits ein Sprungtuch ausgebreitet hatten)), einen Ballon aufgeblasen haben wollten, nur staunend und/oder skeptisch guckten (oder man sieht in der Entfernung auf einmal ein schmunzelndes Gesicht, ein offenes Kichern, weil man sich unbeobachtet fühlt), zaghaft oder gar nicht ihren Namen sagen, usw.

Und immer wieder schön zu sehen, was Kinder wirklich begeistert: Wenn dem Clown ein Missgeschick passiert! Nicht der perfekt aufgeblasene, das perfekt gesungene Lied, die perfekte akrobatische Clownsnummer, sondern der Ausrutscher, das Hinsemmeln, das Aua, Oweia, Scham, Schmerz und Fluchen mögen sie.

Weitere Highlights:

  • Mülltonne gucken, Hinweisschilder verdrehen.
  • Sprungtuch aus Regenschirm, Seidentuch machen.
  • Im LWL-Zelt „püschotologische Reha-Epilation“ ausprobieren, epiliertes Knie zeigen und Mitglieder für meine Cancan-Tanztruppe anwerben
  • Tröt-Singen von traurigen (Abschieds)Liedern mit Fitti unter der riesigen Buche
  • Seilchenspringen mit Kindern und Jessica im Regen
  • Die nette fünfköpfige Familie mit den goldenen Ohrringen vor dem Hubsteiger.
  • Das Mitmachen beim Demotraining der Kungfu-Truppe
  • Das Hand-in-Hand-Laufen mit Fitti
  • ganz, ganz viele Begegnungen zwischendurch
  • Zu einem Piraten: „Darf ich durch das Spalier gehen?“ – „Nein.“ – „Was soll ich denn machen?“ – „Stell dich an den Rand.“ – „Und was soll ich da machen?“ – „Hol dir ’ne Wurst!“
  • Mit zwei Kindern einen Ballon im aufgespannten Seidentuch tanzen lassen.
  • Mitten in einen Junggesellinnen-Abschied geraten. Mit den Frauens rumflachsen. Mit Linda emotional werden. Sie mit Seifenblasen segnen. Kommentar von der Seite: „Nun mach‘ hinne!“
  • Zum guten Schluss Kaffee und Kuchen mit Peppi und den Mitclowns im Südviertelbüro

Straßenfest Wolbeck

Nach langer Zeit hatte ich mal wieder einen Auftritt, diesmal bei einem Strassenfest einer befreundeten Chorkollegin. Ich war im Vorfeld etwas kritisch gestimmt, da ich gefastet hatte, – doch bis auf zwischenzeitliche Mundtrockenheit und spätere Heiserkeit verlief die Aktion sehr geschmeidig. Ich konnte mich im Badezimmer der Kollegin umziehen und stimmte im leeren Wohnzimmer ein, zwei Lieder auf der Ukulele an. Als ich gerade mit vollem Herzen Hollywood Hills intonierte, kam sie mit ihren Töchtern herein, um nach dem Clown zu gucken. Gesagt, getan: Ein Pivatkonzert zur Bändigung der Nervosität! Zusammen mit meiner Chorkollegin trug ich dann ein Kinderlied aus dem Gesangsbuch mehr recht als schlecht vor (das hat man davon, wenn man ein Kind bittet: „Such dir ein Lied aus dem dicken, unbekannten Liederbuch aus!“).

Dann nehmen mich die beiden Töchter mit nach drausen, wo das Strassenfest direkt vor der Türe so langsam Fahrt aufnimmt. In der Folge ergeben sich eine Vielzahl alter und neuer Spiele, zum Schluß stehen (nach 1 1/2 Std.) eine Gruppe von mehrheitlich Mädchen zwischen 3 und 9 Jahren erwartungsvoll vor mir, während ich durch die Haustüre verschwinde. Was mir an Spielen in Erinnerung blieb:

  • „Clownsspucke“ als Art magisches Reinigungsmittel für alle Art von dreckigen Sachen.
  • Zuerst zufällig gefunden und angewendet bei einem auf den Boden gefallenen Luftballon. Es ergibt sich ein sehr schönes, lustvolles und intensives Spiel mit dem Ekelgefühl. Ekel – Auja! Als nächstes ist ein rotes Gummibärchen dran, von mir liebevoll gesäubert (zuerst mit Clownstaschentuch, dann mit Spucke) und dann den Kindern reihum angeboten wird 😀
  • Als Running Gag kommt die Clownsspucke im Verlauf noch mehrmals zum Einsatz: „Ach, was können wir jetzt wohl machen, um …?“ – „Clownsspucke!“ – „IIIIIhhhhh!!!“
  • Die Straße ist mit einenm rot-weißen Absperrgitter professionell gesichert. Was ist dahinter? Bruno fragt die Kinder. Münster? Ob dahinter die Welt aufhört wird zum Running Gag.
  • Gründung eines spontanen Orchesters. Ich (ver)stimme die Ukulele, verteile Metallkazooflöten, ein Junge holt sein Zylophon und einer seine Trommel (super, wie die Kinder hier mitspielen!). Ich habe keinen Plan, geschweige denn gute (bekannte) Kinderlieder, doch mit Hingabe und Intensität wird das überspielt und ein Riesenerfahrung in Miteinandertun (Bild).
  • Dann Luftballons! Der erste lange Knetballon wird „zufällig“ im voll aufgeblasenen Zustand von der Pumpe wegkatapultiert und Bruno ist total begeistert wie weit! Wir messen die Entfernung in Metern ab und Bruno malt für jeden Meter einen Strich auf das Pflaster. Dann muss der Rekord natürlich gebrochen werden. Hauruck, hauruck, hauruck: Der Ballon landet auf dem Dach(!) eines Carports(!). Grosses Rätselraten, was nun zu tun sei. Die Kinder haben jede Menge gute Ratschläge, Bruno ist begeistert. Erik hat die meisten 😀 Er bietet Bruno (s)einen Gabelstapler an, dann einen Bager, der bei Aldi um die Ecke steht. Wir sind schon auf dem Weg dorthin (hört die Welt hinter der Absperrung auf?), da fällt Bruno ein, dass wir dazu über die große Straße müssten, hmmm, gefährlich … (Spielverderber!). Bruno versucht den Pfosten vom Carport hochzuklettern. Er springt am Pfosten und umklammert ihn wie ein Koalabär (oder vielmehr wie ein nasser Sack). Dann die zündende Idee: Eine Leiter muss her! Die Kinder überbieten sich mit Leitern von zuhause (Haushaltsleiter, 3-stufiger Triptrap, 30m-Leiter – doch die eingeschalteten Väter schalten auf stur). Ok, dann ziehen wir halt die Hüpfburg zum Carport und hüpfen einfach aufs Dach! Brunos einfache aber geniale Idee scheitert daran, dass die Hüpfburg zu schwer ist und einfach weitergehüpft wird. Bruno ist genervt, dass keiner auf ihn hört. Immerhin ziehen einige Kinder feste mit an der Hüpfburg, doch sie will sich einfach nicht bewegen! Der nächste Ballon ist ein weiterer Reinfall – er landet auf dem Bierwagen. Umso überraschter und begeisterter ist Bruno, als ihm später ein Mädchen den Ballon wiederbringt. Er ist vom Wind runtergefegt worden! Bruno macht einen Hund daraus (nicht ohne ihn vorher mit Clownsspucke …).

Nach 1 1/2 Stunden bin ich gar, und ich nutze die erste Gelegenheit, mich von den verdutzten Kindern zu verabschieden und mich im Haus der Chorfrau in Sicherheit zu bringen: „Wohnst du da??“

Kinder- und Jugendpsychiatrie Landshut

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Heute waren wir mit der Münchener Clownstruppe von einherz.at in der Kinder- und Jugendpsychiatrie / Bezirkskrankenhaus Landshut.

Ursula und Bruno kamen auf quietschenden Reifen angefahren und trafen auf dem Parkplatz des BKH auf die anderen beiden – Alex und Sonja. Unter Guitarrenklängen marschierten wir durch die langen Gänge bis wir die Tagesklinik im Untergeschoss fanden. Dort warteten schon 10-12 Kinder und etwa nochmal soviele Betreuer und Eltern auf uns. Sie sassen auf Turnbänken um einen nagelneuen Basketballplatz herum. Nach dem Einzug „Oh when the clowns go marching in“ stellten wir uns in die Mitte in die heisse Sonne, nur notdürftig geschützt durch ein kleines Segel, und starteten unsere Kochshow. Dafür, dass wir sie nie zuvor in der Konstallation aufgeführt geschweige denn geprobt hatten, klappte es für meine Begriffe wunderbar. Ich war allerdings auch mit äußerst geringen Erwartungen unterwegs, da dies auch eine meine ersten Bühnenshows überhaupt war… Außerdem war ich ja total relaxed, weil ich mich ja ganz auf unseren großartigen „Anführer“ Alexander verlassen konnte, der die Show anleitete und nie die Spielfreude und den roten Faden verlor. Beeindruckend, wie er immer wieder flexibel auf die spontanen „Änderungswünsche“ unseres Publikums einging, und so (sicher nicht nur) einem Akteur den „schönsten Tag seines Lebens“ schenkte.

In der Eile konnte ich nicht mehr mein weisses Clownshemd anziehen, was mich ein bisschen ärgerte, da die bunte Fliege über dem dunkelblauen T-Shirt total unterging und ich insgesamt zu dunkel angezogen war. Die aktiven Kinder waren meist älter und robuster 🙂 als ich es gerne habe, durch meinen Seifenblaseneinsatz ergaben sich aber schöne Spiele mit jüngeren Kindern.

Mittlerweile hat Alexander auch einen schönen Bericht über unseren Auftritt geschrieben: Aus dem Landshut gezaubert.

Musikfestival in der Eifel

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Am Samstag Nachmittag sollte ich als Clown das zum 17. Mal stattfindende Musikfestival eines Freundes in der Eifel verschönern. Seit Anbeginn war ich als Zuschauer dabei gewesen, nun sollte es also das erste Mal als Clown sein – nun denn! Ich hatte einigen Bammel, weil mich keiner als Clown kannte, sondern nur als „Otto Normalbürger“, aber trotz einer gelinden Nervosität liess ich mir davon die Vorfreude nicht verderben. 🙂

Als ich – am sehr späten Nachmittag – eintrudelte, wurde mir direkt das Programm des Festivals unter die Nase gehalten, nein gerieben: Dort stand in grossen Lettern Hauptbühne 16:00-17:00 Clown Bruno. Ein leicht vorwurfsvolles „Du kommst aber reichlich spät“ garnierte die Übergabe des Programms (das mir selbstverständlich vollkommen unbekannt war). Gesagt, getan – nachdem ich deutlich gemacht hatte, dass ich nicht gedächte, früher als in 15 Minuten aufzutreten und zwar nicht auf einer Bühne sondern als Walk-Act, bekam ich für Umziehen und Schminken ein Teilnehmerzimmer im ersten Stock der Veranstaltungslocation zugewiesen, direkt über dem angeschlossenen Restaurant.

Beim Schminken fiel mir auf, dass ich meine Fliege vergessen hatte, kurzerhand bemalte ich zwei Streifen Leukoplast mit einem roten Edding und klebte sie mir wie eine selbstgebundene Fliege oben auf das Hemd. Und dann ging es auch schon los – mit dem kleinen Koffer in der Hand spähte ich im Restaurant um die Ecke und hatte direkt einige kleine und grosse Zuschauer, darunter einen guten Freund. Ich packte die Seifenblasen aus und dann ging es vor die Türe, wo ich Jamia und meinen Freund eine rote Nase verpasste und zu Hilfsclowns ernannte. Jamia wurde dann von mir zur Seifenblasenkönigin ernannt, weil sie super Seifenblasen machete und mir auch zeigte, wie es ging. Danach musste ich auf eine wackelige Leiter steigen, weil meine Freund ja wollte, dass ich die Blasen „höher“ blase. Und er stieg auf die Ecke einer Bierzeltbank, aber sie kippte nicht um …

Der mittlerweile auf zehn angeschwollene Kinderschwarm zog dann hinter mir her auf die Festwiese, wo sich hunderte Festivalbesucher und zig Kinder aller Altersstufen um die Essens- und Souvenirbuden drängelten. Zwischendurch ergaben sich immer wieder Gelegenheiten für kurze Spiele. Ein Mann, der mir den Vortritt lassen wollte und ich ihm bis wir zusammen durch die Türe gingen, eine junge Frau, die ich anspielte, einen ehrenwerten Weissbart, hinter dem ich mich ungeniert versteckte, eine versuchte „Flucht“ ins Damenklo und viele andere Aktionen.

Inmitten der Kinderschar, die sich minütlich vergrößerte, ergaben sich dann schöne Spiele und Kontakte, wobei sich einmal mehr zeigte, dass die Altersgrenze von einem Jahr selten unterschritten werden kann. Am nettesten und spielbereitesten sind die Kinder von 4-8 Jahren, darunter stehen sie oft nur still da und schauen, darüber werden sie schnell übermütig (s.u.).

So langsam wurden die Kinder aufdringlich. Es fing – wie immer – damit an, dass ein Mädchen frech an meiner Nase zog und rief: „Du bist ja gar kein echter Clown!“. Dann kam ein Junge dazu, der an meiner Hose zog und schliesslich bedrängten mich mehrere, so dass ich mich begann nach Hilfe umzuschauen. Eine Mutter schüttelte den Kopf als ich sie fragte, ob sie Authorität hätte, um die Rasselbande zu bändigen. Dann setzte ich mich neben eine andere Frau und fragte sie das gleiche, was mir zwar eine kurze Verschnaupause einbrachte aber ansonsten auch nur ein Kopfschütteln. Meine letzte Rettung war der Obermusiker, stets ein ruhiger Pol in der Brandung, von unumstösslicher Authorität, aber auch dieser reagierte abweisend auf meine zunehmend verzweifelter werdenene Hilfsapelle.

So kam es zur – überstürzten – Flucht, in Folge der meine Hosenträger – mal wieder! – abgingen, die Hose auf Halbmast hing (oder war das der Flucht vorausgegangen?) und ich mit halb auf den Knien hängender Hose (ein wie immer beliebtes Spiel) effektvoll die Treppe hinauf flüchten konnte, durch den Flur, durchs Restaurant, die Treppe zum Zimmer hinauf. Einen Rattenschwanz von Kindern hinter mir her ziehend, die mich johlend wie auf einer Perlenkette aufgereiht verfolgten, so dass ich mich nicht traute umzudrehen, auch um meinen Vorsprung nicht zu verlieren. An der Treppe zögerten die Verfolger, da man dort seine Schuhe ausziehen musste, was mir den nötigen Vorsprung verschaffte, um den Zimmerschlüssel aus dem Sicherungskasten zu holen, mit zittrigen Händen das Schloss zu finden (was eine gefühlte Ewigkeit dauerte), den Schlüssel umzudrehen und die Türe genau so schnell zu öffnen wie hinter mir wieder zu verschliessen. Keine Sekunde zu spät! Die Kinder rannten den Zimmerflur entlang, tuschelten untereinander und berieten, wo der Clown wohl wäre, klopften an jede Türe und prüften, ob eine offen war. Sie riefen nach mir. Ich aber hielt gebannt den Atem an und betete, dass sie mich nicht entdeckten! Als ich abgeschminkt war, traute ich mich mit betont normalem Gesicht wieder in das Restaurant und mischte mich unter die Menge und wunderte mich, dass mich keiner von den Kindern erkannte und mit lauten Clown-, Clown-Rufen auf mich los schoss.

Fotonachweis: Claudia Latifa