Straßenfest Wolbeck

Nach langer Zeit hatte ich mal wieder einen Auftritt, diesmal bei einem Strassenfest einer befreundeten Chorkollegin. Ich war im Vorfeld etwas kritisch gestimmt, da ich gefastet hatte, – doch bis auf zwischenzeitliche Mundtrockenheit und spätere Heiserkeit verlief die Aktion sehr geschmeidig. Ich konnte mich im Badezimmer der Kollegin umziehen und stimmte im leeren Wohnzimmer ein, zwei Lieder auf der Ukulele an. Als ich gerade mit vollem Herzen Hollywood Hills intonierte, kam sie mit ihren Töchtern herein, um nach dem Clown zu gucken. Gesagt, getan: Ein Pivatkonzert zur Bändigung der Nervosität! Zusammen mit meiner Chorkollegin trug ich dann ein Kinderlied aus dem Gesangsbuch mehr recht als schlecht vor (das hat man davon, wenn man ein Kind bittet: „Such dir ein Lied aus dem dicken, unbekannten Liederbuch aus!“).

Dann nehmen mich die beiden Töchter mit nach drausen, wo das Strassenfest direkt vor der Türe so langsam Fahrt aufnimmt. In der Folge ergeben sich eine Vielzahl alter und neuer Spiele, zum Schluß stehen (nach 1 1/2 Std.) eine Gruppe von mehrheitlich Mädchen zwischen 3 und 9 Jahren erwartungsvoll vor mir, während ich durch die Haustüre verschwinde. Was mir an Spielen in Erinnerung blieb:

  • „Clownsspucke“ als Art magisches Reinigungsmittel für alle Art von dreckigen Sachen.
  • Zuerst zufällig gefunden und angewendet bei einem auf den Boden gefallenen Luftballon. Es ergibt sich ein sehr schönes, lustvolles und intensives Spiel mit dem Ekelgefühl. Ekel – Auja! Als nächstes ist ein rotes Gummibärchen dran, von mir liebevoll gesäubert (zuerst mit Clownstaschentuch, dann mit Spucke) und dann den Kindern reihum angeboten wird 😀
  • Als Running Gag kommt die Clownsspucke im Verlauf noch mehrmals zum Einsatz: „Ach, was können wir jetzt wohl machen, um …?“ – „Clownsspucke!“ – „IIIIIhhhhh!!!“
  • Die Straße ist mit einenm rot-weißen Absperrgitter professionell gesichert. Was ist dahinter? Bruno fragt die Kinder. Münster? Ob dahinter die Welt aufhört wird zum Running Gag.
  • Gründung eines spontanen Orchesters. Ich (ver)stimme die Ukulele, verteile Metallkazooflöten, ein Junge holt sein Zylophon und einer seine Trommel (super, wie die Kinder hier mitspielen!). Ich habe keinen Plan, geschweige denn gute (bekannte) Kinderlieder, doch mit Hingabe und Intensität wird das überspielt und ein Riesenerfahrung in Miteinandertun (Bild).
  • Dann Luftballons! Der erste lange Knetballon wird „zufällig“ im voll aufgeblasenen Zustand von der Pumpe wegkatapultiert und Bruno ist total begeistert wie weit! Wir messen die Entfernung in Metern ab und Bruno malt für jeden Meter einen Strich auf das Pflaster. Dann muss der Rekord natürlich gebrochen werden. Hauruck, hauruck, hauruck: Der Ballon landet auf dem Dach(!) eines Carports(!). Grosses Rätselraten, was nun zu tun sei. Die Kinder haben jede Menge gute Ratschläge, Bruno ist begeistert. Erik hat die meisten 😀 Er bietet Bruno (s)einen Gabelstapler an, dann einen Bager, der bei Aldi um die Ecke steht. Wir sind schon auf dem Weg dorthin (hört die Welt hinter der Absperrung auf?), da fällt Bruno ein, dass wir dazu über die große Straße müssten, hmmm, gefährlich … (Spielverderber!). Bruno versucht den Pfosten vom Carport hochzuklettern. Er springt am Pfosten und umklammert ihn wie ein Koalabär (oder vielmehr wie ein nasser Sack). Dann die zündende Idee: Eine Leiter muss her! Die Kinder überbieten sich mit Leitern von zuhause (Haushaltsleiter, 3-stufiger Triptrap, 30m-Leiter – doch die eingeschalteten Väter schalten auf stur). Ok, dann ziehen wir halt die Hüpfburg zum Carport und hüpfen einfach aufs Dach! Brunos einfache aber geniale Idee scheitert daran, dass die Hüpfburg zu schwer ist und einfach weitergehüpft wird. Bruno ist genervt, dass keiner auf ihn hört. Immerhin ziehen einige Kinder feste mit an der Hüpfburg, doch sie will sich einfach nicht bewegen! Der nächste Ballon ist ein weiterer Reinfall – er landet auf dem Bierwagen. Umso überraschter und begeisterter ist Bruno, als ihm später ein Mädchen den Ballon wiederbringt. Er ist vom Wind runtergefegt worden! Bruno macht einen Hund daraus (nicht ohne ihn vorher mit Clownsspucke …).

Nach 1 1/2 Stunden bin ich gar, und ich nutze die erste Gelegenheit, mich von den verdutzten Kindern zu verabschieden und mich im Haus der Chorfrau in Sicherheit zu bringen: „Wohnst du da??“

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