
Einmal im Jahr gibt es in der Hospizbewegung Münster den Ehrenamtstag: Ehrenämtler und Ehrenämtlerinnen dürfen Ehrenämtlern und Ehrenämtlerinnen etwas „beibringen“, vorzugsweise aus dem eigenen Experten-, Erfahrungs- und Fähigkeitenschatz. Nachdem der Mensch hinter Bruno letztes Mal etwas über die „Kraft des Lebensrückblicks“ erzählt hatte, durfte nun Bruno höchstpersönlich ran und seine Weisheiten zum Besten geben (zum Instagram-Post).
Sechs Teilnehmerinnen und drei Teilnehmer (TN) – alles ehrenmtliche Sterbe- oder Trauerbegleiter*innen – hatten sich an einem schönen Samstagmorgen in der Sonnenstraße zusammengefunden, um den „Clown in sich selbst wach zu küssen“, getreu dem Ausspruch von Charlie Rivel:
Jeder Mensch ist ein Clown, doch nur wenige sind so mutig, ihn zu zeigen.
Es startete mit einer Runde zu „Was bimmelt in mir, wenn ich an ‚Clown’ denke?“. Und da bimmelte es bei den TN lustig vor sich hin: Einige waren in der Kindheit oder Jugend mit dem Clown in Berührung gekommen, sei es in sich selber, sei es im Zirkus, und wollten dieser – leider einmalig gebliebenen – Begegnung nun auf den Grund gehen, vielleicht etwas wiederbeleben. Andere erhoffen sich die Belebung eingefahrener, zur Routine gewordenener Begleitungen, neue Ansätze, wie zB mit Verbitterung umzugehen, Leichtigkeit wurde mehrmals genannt, die Weisheit unter der Oberfläche oder die TN wollten sich einfach wohlfühlen. [Das ist natürlich auch ein zentraler Punkt der Selbstfürsorge. Begleiter*innen sind immer in Gefahr, dass diese und andere negative Gefühle sich in ihnen festsetzen, da man ja prinzipiell emphatisch gestimmt ist.]

Ansatzlos gibt es die erste – und mit 20 Minuten längste – Übung: Das Staunen soll mit Hilfe einer Fantasiereise zum fernen Planeten Ogelalla erlernt werden. Das klappt auch sehr gut, die TN halten sich an die Regeln (Sprechverbot, folgt den Impulsen eures Körpers) und Anweisungen von Bruno und folgen brav den vorgegebenen vier Phasen: Bei sich ankommen / Requisiten entdecken / andere TN entdecken / TN anspielen. Es entwickeln sich schöne Spiele und Duos, selbst die Schminke wird ausgiebig genutzt, ja es wird sich auf sie gestürzt. Rote Nasen, Brillen und Seifenblasen ebenso.
Nach der Staunen- kommt die Auja-Übung, die in uns allen eine ungeahnte Begeisterung wachruft, wir wollen garnicht mehr aufhören. Wie wird man lustig, wie kommt man eigentlich an den Humor? – Ganz einfach, der Clown injiziert sich den Humor mit einer imginären Spritze in den Oberarm (wohin auch sonst?!). Das kann man zu jeder Zeit und zu jedem Anlaß machen. In der letzten Übung lernen wir, dass man auch jedes Gefühl durch Humor verändern kann. Dafür zerreissen unseren schlimmsten Feind in Gestalt eines DIN A4-Blatts. Wir gehen ihm Saures. Dabei übertreiben wir unsere Wut so dermassen, dass die Wut kippt und sich lächerlich macht – das macht richtig Spass, vor allem, als wir den zerrissenen „Übeltäter“ als Konfetti ihm Raum verstreuen. 😀

Das Thema der Schlußrunde ist natürlich, was man gerne aus dem Workshop in den Alltag bzw. die Sterbebegleitung mitnehmen würde. Gibt es vielleicht etwas, was wir in der Begleitung verloren haben und nun wiederfinden wollen? Auf der Suche nach Antworten strengt der Clown nicht etwa seinen Kopf an, sondern steht auf und macht sich wirklich auf die Suche: Was habe ich verloren, wo könnte es sein, welchen Impuls habe ich dabei, welche Bewegung und welches Gefühl? Öffnen wir unsere Sinne noch in jedem Moment? Sind wir offen für die begleitete Person oder in Routine erstarrt? Sind wir immer ganz präsent oder mit den Gedanken woanders? Der Clown wird vielleicht traurig über den Verlust oder er freut sich, etwas gefunden zu haben und sei es nur ein Stäubchen, das er verwundert betrachtet…
Zum Schluß versaufespeise ich mein Honorar im Eiscafé – es war ein schöner Vormittag – es hat sich gelohnt!











